Presse: Kloster Erlenbad 07.05.2017

Veröffentlicht auf Nachrichten der Ortenau – Offenburger Tageblatt (http://www.bo.de)

Ein Konzert im Sinne der Völkerverständigung
09.05.2017
Die Singakademie hatte am Sonntag wieder zum Konzert in das Kloster Erlenbad eingeladen. Es wurde ein sehr emotionales Konzert.

Vielleicht ist es der Enthusiasmus von zwölf Nationen, sich in der gemeinsamen Sprache der Musik verständigen zu können, der bei den Aufführungen der Singakademie Ortenau so spürbar ist. So viele Nationen nämlich hat Dirigent Olaf Fütterer diesmal in seinem »europäischen Laboratorium«, wie er es nennt, vereint, das am Sonntagabend bereits zum sechsten Mal im Sasbacher Kloster Erlenbad ein Gastspiel gab.

160 Mitwirkende aus zwölf Nationen
Mit im Boot, das über 160 Mitwirkende beherbergte, waren das Collegium Vocale Strasbourg-Ortenau, der Philharmonische Chor Baden-Baden und die Musicien sans frontiere Alsace-Ortenau sowie, wie stets, renommierte Gast-Solisten: Gabriele Hierdeis (Sopran), Judith Ritter (Alt), Boris Pohlmann (Tenor) und Clemens Morgenthaler (Bass).

Georg Friedrich Händel und Ludwig van Beethoven standen auf dem Programm, beginnend mit dem »Dettinger Te Deum« des deutsch-britischen Barockkomponisten und Altersgenossen von Johann Sebastian Bach. Dass militärische Siege mit geistlichen Chorwerken gekrönt werden, dürfte heute kaum mehr vorstellbar sein, zu Zeiten Händels war es gängige Praxis.

Ihr verdanken wir Werke wie dieses »Dettinger Te Deum«, 1743 vom Komponisten geschrieben für zwei Chöre und großes Orchester zur Feier des Sieges österreichisch-britischer Truppen über französische. Es gehört zur Ironie der Geschichte, dass heute zum Teil Bürger dieser Nationen das Werk im Sinne der Völkerverständigung gemeinsam aufführen.

Ultimativer Schauer
Olaf Fütterer geht es in gewohnter Manier dynamisch und mit raschen Tempi an. Vor allem birgt seine ausgefeilte Phrasierung immer wieder Überraschungen, wenn sich zarte Passagen mit eruptionsartig hervorbrechenden lautstarken ablösen und für den ultimativen Schauer sorgen. Die Stimmen der Solisten ragen glasklar heraus und fügen sich harmonisch in die Orchesterbegleitung. Das Publikum würdigt es mit lang anhaltendem Beifall. Die Messe C-Dur für Soli und Orchester op. 86, mit den Sätzen Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei, war die erste Messevertonung von Ludwig van Beethoven und zwar unter dem starken Einfluss seines Lehrers Joseph Haydn, von dessen »Schöpfungsmesse« er zwei Themen in seinem Gloria verwendet hat.

Auch in diesem großartigen Werk bringt Olaf Fütterer noch einmal die Stimmgewalt der Chöre und der exzellenten Solostimmen voll zur Entfaltung. Und es ist diese Strahlkraft menschlicher Stimmen vor dem Hintergrund des monumentalen klösterlichen Säulenaltars, was der Atmosphäre dieses Abends das einzigartige Gepräge gibt. Fürst Esterhazy, in dessen Auftrag die Messe anlässlich des Namenstages seiner Ehefrau geschrieben wurde, soll die Messe nicht gefallen haben, sagt man. Das dürfte schwerlich der Fall gewesen sein, hätte er sie in der Fassung vom Sonntag im Kloster Erlenbad vernommen.

Am Ende bleibt erhabenes Staunen über die Kraft und die Macht der Musik. Und wenn es in einer der letzten Zeilen des »Dettinger Te Deums« heißt: »O Lord, in Thee have I trusted« (Alt-Solo und Chor), dann liegt darin auch das Vertrauen in die Macht der Musik, die mit Aufführungen wie dieser die Herzen zu öffnen vermag und zur wahren Völkerverständigung beitragen kann. 

© Bodo Toussaint

Badische Neueste Nachrichten
10/05/2017

Kategorie:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.