2018 A Sea Symphony Vaughan Williams

RALPH VAUGHAN WILLIAMS
A SEA SYMPHONY
für Sopran, Bariton, Chor und Orchester

A Sea Symphony RALPH VAUGHAN WILLIAMS
Text – WALT WHITMAN

No. 1 Song for all Seas, all Ships
No. 2 On the Beach at Night Alone
No. 3 The Waves
No. 4 The Explorers

Eine Sinfonie über die Meere, die Seefahrt und die Seeleute entspricht wohl ganz besonders dem britischen Empfinden mit dem Stolz auf die ruhmreiche Vergangenheit der Nation als Entdecker und Eroberer der Weltmeere. Ralph Vaughan Williams wählte sicher sehr bewusst diesen Stoff für seine erste Sinfonie, die er im Jahr 1910 zur Uraufführung brachte und welche ihm von den Kritikern und dem Publikum gleichermaßen viel Beifall bescherte. Die wesentliche Beteiligung des Chores und zweier Solisten erweitert den klanglichen Rahmen der Instrumentierung und bildet eine gewisse Parallele zu der im selben Jahr uraufgeführten 8. Sinfonie von Gustav Mahler.

Vaughan Williams wählte Texte des amerikanischen Dichters Walt Whitman aus dessen 1855 erschienen Buch „Leaves of Grass“ (Grashalme) aus. Eine nationalistische Grundstimmung, wie sie wenige Jahre vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges sicherlich verbreitet war, ist in dem Werk und den Texten aber keinesfalls zu finden. Im Gegenteil wird immer wieder die universelle Verbundenheit aller Menschen besungen. Neben den Flaggen der einzelnen Nationen wird ein Banner auf dem Meer wehen, „ein geistig gewobenes Zeichen aller Nationen, das Bild des über den Tod erhabenen Menschen“.

Die Anlage der Sinfonie entspricht der klassischen Form mit vier Sätzen. Der dritte Satz „The Waves“ ist ein typisches Scherzo und beschreibt das wilde und lebendige Spiel der Wellen. In den Ecksätzen wird das Meer und die Seefahrt beschrieben als Metapher des Lebens und der menschlichen Entwicklung, während im langsamen zweiten Satz der Ozean im Bild einer alten sich wiegenden Mutter Gedanken freisetzt, über die alles vereinigende Kraft des Meeres.

Ralph Vaughan Williams wurde am 12.10.1872 in Down Ampney geboren. Er erhielt seine Ausbildung am Trinity College in Cambridge und an der Royal Academy of Music in London. Seine Lehrer waren unter anderem Charles Wood und Charles Stanford. Im Jahr 1897 studierte er Komposition bei Max Bruch in Berlin. In seinen Studienjahren lernte er Gustav Holst kennen, mit dem ihn eine engen Freundschaft verband.

Vaughan Williams wirkte als Organist in London und beschäftigte sich intensiv mit der Sammlung und Veröffentlichung von englischen Volksliedern. Im Jahr 1919 wurde er als Professor für Komposition ans Royal College of Music in London berufen. In der Zeit vom 1921-1928 leitete er zudem den Londoner Bachchor. Nach 1938 beendete er seine Lehrtätigkeit und konzentrierte sich auf sein kompositorisches Schaffen. Sechs Opern, zahlreiche Instrumentalkonzerte, Kammermusik, Chorwerke und neun Sinfonien zeugen von der Bedeutung Vaughan Williams‘ für die Entwicklung der Musik seiner Heimat. Im Konzertbetrieb auf dem Kontinent warten noch viele Perlen auf ihre Entdeckung.